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WERTE & die MIND-BEHAVIOR-GAP

Was sind Werte, warum brauchen wir sie und was ist der Zusammenhang zwischen Werten und Selbstachtung? Was ist der Zusammenhang zwischen Werten und Erfolg? Warum sind sie so wichtig? Werte sind in aller Munde aber was steckt dahinter? Dieses Thema ist enorm Komplex und nicht an einem Nachmittag zu erforschen. Ich lade dich hier dazu ein, genauer hinzuschauen.



Wir sind bewusste Wesen. Wir stellen uns existenzielle Fragen, auf die wir Antworten haben wollen. Wir müssen unserem Leben Sinn geben. Unsere Werte, durchdacht und klar formuliert, sind unser geistiges Rückgrat. In Situationen, in denen wir unzufrieden sind, leben wir meist unsere Werte nicht und auf Menschen ohne klare Werte können wir uns oft nur schwer beziehen. Integrität ist dann gegeben, wenn ein Mensch seine wahren Werte kennt und sie durch sein konkretes Handeln ausdrückt.


Wenn deine wahren Werte nicht mit deinem konkreten Handeln übereinstimmen, entsteht eine Mind Behavior Gap. Das führt zu Energie-Verlust, mangelnder Selbstachtung, einem Entwicklungs-Stopp und zu Chaos sowie Konflikten. Beispiele gefällig?

  • Wenn du in einem Unternehmen arbeitest, dessen Werte nicht deinen entsprechen, entsteht eine Mind Behavior Gap und du kannst deine volle Power nicht entfalten.

  • Du gehst in ein Seminar und bekommst dort einen Energieschub. Wenn du die Werte, die du dort für dich gefunden hast, nicht in deine Handlungen umsetzt, entsteht eine Mind Behavior Gap.

Werte geben uns das Fundament für unsere Entwicklung und deshalb brauchen wir unsere persönliche Ethik.


Dazu bedarf es eventuell einiger Begriffserklärungen. Als Moral werden Werte und Regeln bezeichnet, die im Außen aufgestellt werden und in der jeweiligen Gesellschaft anerkannt sind. Wenn wir diese Werte von außen übernehmen, verhalten wir uns moralisch, aber nicht zwangsläufig integer mit unseren eigenen Werten. Persönliche Ethik bedeutet, die eigenen Werte zu erforschen und zu formulieren. Sie muss nicht unbedingt deckungsgleich mit den Regeln der Gesellschaft sein. Integrität bedeutet, nach den eigenen Werten zu handeln.


Nun ist es jedoch so, dass das Gehirn Werte nicht mag. Werte sind nämlich anstrengend, sie brauchen viel Energie, erfordern langsames Denken und Kicken (erstmal) nicht. Es sind kurzfristige Opfer notwendig und Konflikte sind vorprogrammiert (innen & außen). Werte enttarnen gerne mal das Ego, wie zum Beispiel bei einer Umfrage zum Konsum von Bio-Produkten. Bei der Befragung geben sehr viele Menschen an, Bio-Produkte zu kaufen (positives Ego-Bild), die tatsächlichen Verkaufszahlen zeigen anderes. Dennoch sollten wir unser Wertebewusstsein trainieren. Werte geben dir Sinn und Würde, sie sorgen für Orientierung und Messbarkeit, sie regen Evolution an, sind die Basis jeder Beziehung, jeder Kultur und Werte sind, meiner Meinung nach, die Zukunft der Menschheit.


Die Bedeutung von individuellen Werten

  • Deine Werte helfen dir, deine Bedürfnisse zu erfüllen und glücklich zu sein.

  • Werte regen Evolution an. Ein Wert ist eine Richtlinie, an der du dich ausrichten und hin entwickeln kannst.

  • Werte geben Identität. Dafür stehe ich. Das bin ich.

  • Werte sind deine Synapsen für Beziehungen mit anderen Menschen.

Die Bedeutung von kollektiven Werten

  • Werte sind das Bindegewebe einer Kultur und definieren sie. Themen, wie aktuell z.B. Antirassismus, Feminismus zeigen, wenn sie zu eng geworden sind und ein Update brauchen.

  • Identität - Die gemeinsamen Werte einer Gesellschaft erschaffen die Erfahrung von Gruppenidentität.

  • Werte regen die Evolution an. Beispiel Kirche: Wenn eine Institut Werte vertritt, z.B. in Bezug auf Homosexualität, die nicht mehr mit denen vieler Menschen übereinstimmt, zwingt das die Institution zum Überdenken.

  • Werte schaffen Zusammenhalt. Wenn du Menschen findest, die deine Werte teilen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit.

Unser Bewusstsein hat die Aufgabe, auf jedem Level unserer Entwicklung innere Stabilität (Stichwort Salutogenese) und äußeres Gleichgewicht herzustellen (Homöostase). Homöostase ist ein für alle Lebewesen geltendes Prinzip, um das z.B. gegenüber sich verändernden Lebensbedingungen erreichte Gleichgewicht zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Das gilt auch im übertragenen Sinne als die Tendenz des Organismus, psychische Spannungen selbsttätig bzw. selbst regulierend auszugleichen. Eine Frage oder ein Ereignis kann dein Gleichgewicht leichter durcheinanderbringen, wenn du kein stabiles Werte-System hast. Wir sind also immer mit den zentralen Fragen beschäftigt. Diese Fragen stellen wir uns als Individuum und auch kollektiv, z. B. als Team oder Gesellschaft. Ohne klare Werte kommt es sowohl im Individuum als auch in Teams zu enormen Reibungsverlusten. Wir suchen auf drei Ebenen (Seele, Ego & Körper) Antworten auf drei Fragen: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist mir wertvoll? Wir benutzen Werte, um unsere innere und äußere Welt im Gleichgewicht zu halten. Wenn unsere Werte stimmig sind, sind wir integer. Wir haben Selbstachtung, einen gesunden Selbstwert und erfahren somit eine hohe Selbstwirksamkeit.


Wie tickt eigentlich unser Gehirn? Unser Gehirn setzt sich aus drei Gehirnen zusammen:

Stammhirn

  • Body-Mind

  • Hauptaufgabe: Regulation der Körperfunktionen

  • ist in der Gegenwart

  • wirkt Instinktiv

  • ist integer in seiner Aufgabe, den Körper zu regulieren

Limbisches System

  • Ego-Mind

  • ist emotional, damit einhergehend leicht verführbar

  • denkt sehr schnell, auch manipulativ (weil emotional)

  • schlussfolgert auf der Basis von Glaubenssätzen und Vergangenheit

  • verstrickt sich in Widersprüchen Beispiel: Dein Wert ist, Partnerschaften zu respektieren. Du bist Single und lernst eine*n attraktive*n gebundene*n Mann bzw. Frau kennen. Du willst ihn*sie, übergehst deinen Wert und erzählst dir, du gehst für deine*n Seelenpartner*in.

  • Leicht korrumpierbar

Großhirn

  • Ego-Mind & Seele

  • ermöglicht rationales Denken

  • langsames Denken

  • hinterlegt bewusste Werte

  • Zukunft

Ohne Werte sind wir lost in space. Werte geben Orientierung, Messbarkeit und Identität.


Was ist nun eigentlich ein Wert?

Werte sind etwas, womit wir den Wert unseres Lebens bewerten können. Werte sind etwas, was wir aktuell als Individuum, Team oder Gesellschaft für wertvoll/wichtig halten. Wir bewegen uns auf Werte zu oder von ihnen weg. Unsere Werte sind ein Spiegelbild unserer Bedürfnisse. Ein Ausdruck dessen, was uns fehlt bzw. was wir benötigen, um in einem Zustand innerer Stabilität und äußeren Gleichgewichts zu bleiben. Unsere Werte verleihen unserem Leben Sinn und Bedeutung.


Unser Geist legt zur Vereinfachung Muster ab - unsere Metaprogramme. Das sind sehr tief verankerte Muster wie zum Beispiel:

  • grundsätzlicher Optimismus oder Pessimismus

  • eine Perspektive ausgerichtet auf das, was trennt oder das, was verbindet.

Werte sind auch Metaprogramme. Wie ich sein soll. Z.B. als Frau, Mann oder was auch immer. Wie das Leben sein soll. Was wertvoll ist und was nicht. Zum Beispiel Kindererziehung vs. Job. Metaprogramme haben wir meist in einer Zeit in uns abgelegt, als wir noch keine Möglichkeit hatten, bewusst darüber nachzudenken. Viele Werte sind uns über die Eltern, Schule, Religion oder Gesellschaft mitgegeben worden. Wir sind alle einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden. Oft sind es die jüngeren Generationen, die anfangen, an alten Werten zu rütteln. Im Laufe unserer Entwicklung beginnen wir, unsere individuellen Werte zu entwickeln. Auf der Ego-Ebene geht es darum, Sicherheit, Macht, Anerkennung, Reichtum und Beliebtheit zu gewinnen. Wir entwickeln ein starkes Ich.


In der weiteren Entwicklung werden unsere Seelen-Werte präsenter. Universelle Werte, wie Mitgefühl, Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe und Offenheit werden wichtig. Werte haben zusätzlich unterschiedliche Qualitäten:

  • Werte können stärken, öffnen, fördern

  • Werte können aber auch schwächen, verschließen, trennen

  • Menschen können in unterschiedlichen Lebensbereichen unterschiedliche Werte haben

Ausserdem unterliegen sie Hierarchien...:

  • Wert A ist mir wichtiger als Wert B

  • Der Sinn unseres Lebens ist unser aktuell mit Abstand wichtigster Wert

  • Wir können Werte in der Hierarchie verschieben

... und Bedeutungen:

  • Nicht das Wort bedeutet den Wert, sondern unsere Assoziation damit

  • Menschen können unter demselben Wert etwas sehr Verschiedenes verstehen

  • Viele Menschen haben über die Bedeutung eines Wertes noch nie genau nachgedacht

  • Die Bedeutung wird sich im Laufe unserer Entwicklung verändern.

Zu jedem Wert gibt es assoziierte Glaubenssätze die dir sagen, woran du seine Umsetzung erkennst… z.B. "Liebe bedeutet für mich immer Harmonie oder aber Liebe bedeutet, bei co-abhängigen Muster nicht mehr mitzuspielen". Sie sagen dir wie man diesen Wert leben muss.


Du kannst einen bewussten Wert haben, dich aber nach einem anderen, unbewussten Wert verhalten. Diese Werte-Inkongruenz schwächt unseren Selbstwert. Wir manipulieren Werte, um unsere Handlungen zu rechtfertigen. Auf Dauer führt das zu hohem Energieverlust und mangelnder Selbstachtung, Unmut, Frust und sogar Angst und Mangel. Auf der Seelen-Ebene kann es zu Trauer, Depression und Schuldgefühlen führen. Wir können uns auf Dauer nur entwickeln, wenn wir synchron mit unseren Werten sind.


Was motiviert uns nun, bestimmte Werte zu leben? Es gibt eine Primäre Motivation die uns mit der jeweiligen Entwicklungsebene mit den dazugehörigen Motivationen verbindet. Oft sind unsere Motivationen schon auf die nächste Entwicklungsstufe ausgerichtet. Bei der Sekundären Motivation zeigen sich unerfüllte Bedürfnisse aus den unteren Entwicklungsebenen. Beispiel: Wenn du als Kind zu wenig Anerkennung erfahren hast, kann es sein, dass dir dieses unerfüllte Bedürfnis an manchen Stellen dazwischenfunkt, du regredierst und es ist dir plötzlich sehr wichtig ist, gesehen und anerkannt zu werden. Das ist uns dann meistens höchst unangenehm.


Wie ich am Anfang bereits sagte, ist das kein Thema, das man mal eben in einem Workshop abreist. Unter dem Leitsatz "Der erste Schritt bringt dich nicht ans Ziel aber er löst dich von deinem Standort" ist es die Königsdisziplin. Ich schlage folgende Schritte vor, um dem näher zu kommen:


Denke an eine Situation, die dich in letzter Zeit stark getriggert hat. Wie bist du damit umgegangen? Meist schlucken wir es entweder herunter und wir leben unsere Emotionen aus. Folge den einzelnen Schritten:

  1. Lass deine Emotionen zu, ohne andere in Mitleidenschaft zu ziehen. Fühle sie. Lass sie sich entspannen. Was immer du fühlst, alles ist ok. Versuche nicht, zu schnell, zu vernünftig zu sein. Es ist legitim, sich in einem getriggerten Moment zurückzuziehen. Ein Emotionsausbruch oder eine Diskussion macht es meist nur noch schlimmer. Wenn der limbische Trigger aktiviert ist, macht es keinen Sinn, in die Lösung zu gehen. Wir sehen in diesen Momenten nicht klar. Denke jetzt an die Trigger Situation. Was hättest du anders machen können?

  2. Aktiviere deine*n Zeug*in. Benenne deine Gefühle. Beschreibe sie. Am besten schriftlich.

  3. Nimm wahr, was du denkst und welche Urteile du fällst. Schreibe sie auf. Ziel ist es, an den Punkt zu kommen, an dem wir uns nicht dafür schämen, sondern unser Denken als einen Schatz betrachten. Es meldet sich eine vergangene, nicht erfüllte Ebene in uns, die meist mit Gefühle und Glaubenssätzen verbunden ist.

  4. Identifiziere deine Ängste hinter deinen Gedanken. Was befürchtest du, was passieren könnte? Schreibe deine Ängste auf. z.B. dieser Mensch wird mich nie verstehen oder er wird mich verlassen. Woher kommt diese Angst? Unser Bewusstsein versucht in jedem Augenblick unseres Lebens, ein inneres und äußeres Gleichgewicht herzustellen. Wenn wir getriggert werden, löst das in uns die Angst aus, dass eines unserer nicht erfüllten Bedürfnisse nie erfüllt wird. Hinter jeder dieser Ängste steht eigentlich ein Bedürfnis.

  5. Identifiziere deine Bedürfnisse hinter den Ängsten. Welche Bedürfnisse werden nicht erfüllt? Diese unerfüllten Bedürfnisse sind die Quelle deiner unangenehmen Emotionen. Aus welcher Ebene kommt das nicht erfüllte Bedürfnis?

  6. Formuliere in einem Satz was du glaubst, was dir fehlt und was du brauchst. Beispiel: Mir fehlt in unserer Beziehung mehr Wärme und Nähe. Was ich brauche ist, dass du mir mehr zuhörst, mich in den Arm nimmst etc.

  7. Hinterfrage diese Aussage. Differenziere zwischen deiner Wahrnehmung und der wahren Realität. Frag dich, ob deine Überzeugungen wirklich wahr sind. Vielleicht bittest du Freund*innen oder eine*n Coach um Feedback. Beispiel: Ist es wirklich so, dass mein*e Partner*in mir zu wenig Wärme und Nähe gibt und mich mehr in den Arm nehmen sollte? Du kannst für diesen 7. Schritt auch die vier Fragen von Byron Katie nutzen. (Ist dieser Gedanke/Glaube wahr? Kann ich absolut sicher sein, dass dieser Gedanke/Glaube wahr ist? Wie würde ich sein, wenn ich diesen Gedanken/Glaubenssatz nicht hätte? Wie unterstützt mich dieser Gedanke/Glaube dabei, meine Bedürfnisse zu befriedigen?)

  8. Nachdem du deine Überlegungen abgeschlossen hast, formuliere deine Überzeugung neu und bewerte deine Bedürfnisse/Werte neu.

  9. Setze dich aktiv für die Erfüllung deiner Bedürfnisse/Werte ein.

Ich weiss, dass das kompliziert klingt und unter Umständen auch nicht so einfach wird. Je nach dem, wie ehrlich du mit dir selbst bist und wie sehr du es wirklich willst. Unsere Psyche ist tief und sie kennt alle Hintertürchen. Ich wünsche dir trotzdem viel Spass dabei und stehe dir zur Verfügung, wenn ich helfen kann.


herzlichst

Dein Daniel


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